Störungen des Essverhaltens haben viele Gesichter, aber ein gemeinsames Merkmal – alles dreht sich ums Essen.

Bei gestörtem Essverhalten wird aus unterschiedlichen Gründen mit der Nahrung entweder zu viel Energie – wie im Fall von Adipositas und Binge-Eating-Disorder ‑ oder zu wenig Energie wie bei Anorexie aufgenommen. Bei Bulimie treten Heißhungerattacken im Wechsel mit Kompensationsverhalten wie Erbrechen und Nahrungsverzicht auf. In allen Fällen spielt aber die ständige Beschäftigung mit Essen und dem eigenen Körpergewicht eine zentrale Rolle im Leben der Betroffenen.

Wenn Essen zur Geißel wird. Bei Magersucht kommt es bei den Betroffenen durch bewusstes Hungern zu einem krankhaften Gewichtsverlust. Betroffen davon sind vorwiegend Mädchen und jüngere Frauen im Alter von 12 bis 35 Jahren (90-95%), in letzter Zeit aber auch zunehmend mehr junge Männer. Die Betroffenen haben ein völlig verzerrtes Selbstbild, erleben sich selbst sogar in völlig abgemagertem Zustand als zu dick und sind geplagt von Angststörungen vor möglicher Gewichtszunahme. Sie hungern daher bis zur Auszehrung, was u.a. Muskelschwund, brüchige Knochen und Störungen des Immunsystems nach sich zieht. Ähnlich wie bei Adipositas, also der krankhaften Form von Übergewicht (BMI > 30kg/m2), kreisen auch bei Anorexie die Gedanken ständig ums Essen und um das eigene Körpergewicht. Die Betroffenen beschäftigen sich meist intensiv mit Ernährung, Diäten, Rezepten und sind über den Kaloriengehalt sämtlicher Lebensmittel bestens informiert. Allerdings geht es bei ihnen darum, möglichst wenig Kalorien zu sich zu nehmen, und das trotz normalem Appetit! Hinter all dem steht der Versuch, Kontrolle über sich und den eigenen Körper zu behalten. Neben der medizinischen Behandlung muss daher vor allem der zugrundeliegende seelische Konflikt therapiert werden, und zwar je früher desto besser.

Ein Leidensweg für alle Beteiligten. Leider fehlt den meisten Betroffenen das Problembewusstsein, da sie kein reales Selbstbild haben. Außerdem tendieren viele dazu, sich zurückzuziehen, was oft auch mit Vereinsamung und Depression einher geht. Das macht die Lage für die Angehörigen, meist sind es ja die Eltern, besonders leidvoll; es ist nämlich extrem schwierig, die Betroffenen einer Therapie zuzuführen. Die Unterernährung kann bis zur Kachexie führen, einem lebensbedrohlichen Ausmaß von Untergewicht und Nährstoffmangel. In diesem fortgeschrittenen Stadium sind die körperlichen Fettreserven weitgehend aufgebraucht und auch größere Mengen Muskelmasse abgebaut. Laut Prof. Zipfel von der Universitätsklinik Ulm führt die Magersucht langfristig in bis zu 20 % der Fälle zum Tod und ist damit die gefährlichste aller psychischen Erkrankungen (ANTOP-Studie, Lancet 2014). Nachdem es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist i.R. eine lebenslange Herausforderung für die Betroffen, die unter den psychischen oder körperlichen Folgen der Erkrankung zu leiden haben.

Gewichtsaufbau – die härteste Herausforderung. Ein normaler Umgang mit Essen muss in der Recovery-Phase erst wieder mühsam erlernt werden. Viele Anorexie-Patient*innen wollen zwar durchaus gesund werden, allerdings am liebsten ohne ihr Gewicht zu verändern… Die medizinische Empfehlung lautet zwischen 1-2 kg Gewichtszunahme pro Woche, wobei allerdings eine langsame und nachhaltige Erhöhung von 0,5-1 kg/Woche realistischer ist. Von den Ernährungsgesellschaften wird eine ausgewogene Mischkost mit Vollkornprodukten anstelle von Zucker- und Stärke-dominierter Ernährung empfohlen, weil fehlende Vital- und Ballaststoffe ergänzt werden müssen. Mit entsprechenden Präparaten kann man den Ausgleich von Nährstoffmängel und Dysbalancen im Darm-Mikrobiom zusätzlich unterstützen. Besonders wichtig ist die Proteinzufuhr, da das Eiweiß am Aufbau aller Stützstrukturen unseres Körpers wie Muskeln und Knochen maßgeblich beteiligt ist. Darüber hinaus lenkt es in Form von Enzymen und Hormonen sämtliche Körperfunktionen und ist zentrale Komponente unseres Immunsystems.

Die Anorexie ist eine lebensbedrohliche Essstörung, die vor allem junge Menschen – mit großer Mehrzahl Frauen betrifft. Die Betroffenen finden oft recht wenig Beachtung und erhalten daher oft erst spät medizinische Betreuung. Das Thema ist mit mangelndem Problembewusstsein, Verleugnung, Heimlichkeiten und Scham bei allen Beteiligten besetzt.

Früherkennung und rasche Hilfe ist entscheidend:

Keinen Druck oder Zwang zum Essen; das treibt die Betroffenen zu noch mehr Heimlichkeiten und verstärkt deren Einsamkeit!

Erste Anzeichen ernst nehmen: Hungern, Einschränken der Speisenauswahl auf kalorienarme Nahrungsmitteln, exzessiver Sport, Missbrauch von Medikamenten wie Abführmittel

Fragen, wie man helfen kann.

Nicht tabuisieren oder schämen! Schuldgefühle auf Seiten der Eltern sind weder angebracht noch hilfreich!

Hilfsangebote suchen – online Plattformen für Patient*innen oder Angehörige oder offizielle Stellen über https://www.dgess.de oder www.sowhat.at erfragen.

….Je früher der Behandlungsbeginn desto größer die Chancen auf Heilung!

Achtung vor den Seiten pro-ana und pro-mia! Laut Wikipedia wird Magersucht von deren Mitgliedern idealisiert.

Magersucht

Anorexia nervosa

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